Im Schlaf weiterlernen: Geht das?

Kategorie: Studentenleben

Stell dir vor, du würdest dich kurz vor der Prüfungsphase einfach zurücklehnen können. Nach einem Nickerchen wachst du auf und schreibst plötzliche alle Klausuren mit Bestnoten. Klingt zu schön, um wahr zu sein. Und leider ist es das auch. Trotzdem lernst du im Schlaf – manchmal sogar mehr als tagsüber. Während du die Augen schließt, legt dein Gehirn erst richtig los. Während des Schlafes werden Eindrücke verarbeitet, Reparaturprozesse finden statt und wichtige Körperfunktionen regenerieren sich. Aber vor allem dein Rechner im Kopf hat ordentlich was zu tun. Gerade unterbewusste Erlebnisse und Fakten werden jetzt verarbeitet. Und das ist für dich und dein Studium natürlich besonders interessant.

Auch wenn du voll motiviert an dein Studium herangehst und alle Prüfungen bestmöglich meistern willst, gibt es körperliche Grenzen. Naturgesetze haben das die Biologielehrer immer genannt – und sie hatten Recht. Nächtliche Lernmarathons, Bewegungsmangel und allem voran Schlafmangel: Alles, was einen besonders fleißigen Studenten ausmacht, ist gar nicht entscheidend für den Erfolg im Studium. Viel wichtiger ist es, zu verstehen, wie du mit deinem Gehirn zusammenarbeiten kannst. Hier erfährst du, wie das während des Schlafens funktioniert.
Aber warum spielt eigentlich gerade der Schlaf eine so entscheidende Rolle beim Lernen? Gibt es Möglichkeiten und Tricks, um auch in der Klausurenphase nicht nur ausreichend, sondern auch qualitativ hochwertigen Schlaf zu bekommen? Und was hat es wirklich auf sich mit den Gurus, die behaupten, du könntest im Schlaf eine neue Sprache lernen? Lässt sich das auf dein Studium übertragen? Mit den Antworten auf diese Fragen bist du schon ein ganzes Stück weiter. So legst du dich selbst in der stressigsten Phase des Lernens ohne ein schlechtes Gewissen schlafen. Gute Nacht!

Schlaf im Studium: Warum ist das so wichtig?

An jedem Tag deines Lebens wird dein Gehirn in jeder Millisekunde mit Fakten überschüttet. Zum Beispiel liest du gerade diesen Artikel über den Schlaf. Damit du trotzdem handlungsfähig bleibst, laufen geniale Vorgänge ab. So priorisiert dein Gehirn selbstständig und unterbewusst die wichtigsten Fakten und speichert im Unterbewusstsein Informationen ab, die du vielleicht gerade nicht umsetzen kannst. In der Tat geht nichts, was du jemals erlebt hast, wirklich verloren. Du hast lediglich keinen aktiven Zugriff darauf.
Im Schlaf beginnt dann die Arbeit: Die Zwischenspeicher werden geleert und Informationen einsortiert. Für dich im Studium ist besonders das Faktenwissen interessant. Das wird zunächst im Hippocampus gespeichert. Jeder Mensch hat eine bestimmte Kapazität an neuen Informationen, die er tagtäglich hier zwischenspeichern kann. Nachts findet eine Art Gehirnwäsche statt, der Hippocampus wird geleert und dein fleißiges Lernen zahlt sich aus: Die Fakten wandern in den Neocortex, also in das Langzeitgedächtnis.
Am Beispiel dieses Artikels zeigt sich: Jetzt befinden sich diese Informationen in deinem Hippocampus. Entscheidend ist nun einmal, wie viel du heute bereits gelernt hast. Ist dein Speicher vielleicht schon voll? Und zweitens zählt deine Schlafqualität heute Nacht. Kann der Übertragungsprozess stattfinden? Diese Vorgänge zeigen dir, wie wichtig es für ein erfolgreiches Studium ist, deine Lernzeiten einzuteilen und nachts auf genügend Schlaf zu achten. So kannst du nach und nach viel bessere Kapazitäten zum Lernen aufbauen.

Lernen zu schlafen: Probieren geht über Studieren

Du weißt jetzt, dass dein Schlafverhalten eine entscheidende Rolle in deinem Vorhaben zu studieren, spielt. Grund genug, sich dieses Thema mal ein bisschen näher anzuschauen. Die folgenden Tipps helfen dir dabei, deine nächtliche Ruhe auf Vordermann zu bringen.


#1 Regelmäßige Schlafenszeiten

Hinter dem Stichwort „innere Uhr“ steckt mehr, als du denkst. Viele körperliche Prozesse richten sich nach bestimmten äußerlichen Reizen wie Licht, Temperatur oder Lautstärke. Je regelmäßiger diese Prozesse ablaufen, desto besser funktionieren sie. Das gilt ganz besonders auch für deinen Schlaf. Gerade im Studium und bei stressigen Zeiten zum Lernen gehst du gerne mal ein paar Stunden später in die Federn. Wie wäre es, wenn du dir für die nächste anstrengende Phase des Studierens vornimmst, zu einer bestimmten Uhrzeit schlafen zu gehen? Schon nach einer Woche stehst du morgens erholter auf.

#2 Lernen zu Hause? Lieber nicht.

Es gibt einen Grund, warum Wissenschaftler immer wieder auf die Work-Life-Balance zu sprechen kommen. Um richtig zu lernen und zu studieren, brauchst du auch Erholungszeiten, in denen du an etwas anderes denkst. Wenn du dagegen abends beim Einschlafen und morgens beim Aufwachen als allererstes deine Unterlagen vor der Nase hast, fördert das nicht gerade die Entspannung. Versuche dir einen Ort zum Lernen zu suchen, der vielleicht nicht gerade dein WG-Zimmer oder deine Wohnung ist.

#3 Das berühmte blaue Licht

Smartphones, Laptops, Tablets: Im Studium richtest du deinen Blick stundenlang auf den Bildschirm. Das emittierte blaue Licht ist nicht grundlegend schlecht, aber es signalisiert deinen Sinneszellen, dass jetzt Zeit ist, um etwas zu tun. Du wirst wacher. Dein Unterbewusstsein verhindert so automatisch die Ausschüttung von Melatonin. Und – wer hätte das gedacht: Gerade diesen Botenstoff brauchst du für einen gesunden Schlaf. Deswegen solltest du abends entweder einen Blaufilter nutzen – oder einfach mal alles zur Seite legen.

#4 Bewegung, Lernen und Schlafen

Anspannung und Entspannung ist ein Prinzip, auf das viele Naturgesetze ausgelegt sind. Praktisch kennst du das vielleicht aus folgender Situation: Nach einer intensiven Einheit des Lernens direkt entspannt einzuschlafen, ist unmöglich. Aus diesem Grund solltest du Anspannung und Entspannung aktiv durch Bewegung unterstützen. Ausdauersport, Mannschaftssport oder eine Runde Pilates: Schau, was für dich funktioniert.

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Lernen im Schlaf: Zwei Tricks zum Ausprobieren

Du hast jetzt einige Gründe und Möglichkeiten kennengelernt, um deinen Schlaf zu verbessern. Was aber hat es nun auf sich mit dem Mythos, dass du sogar während des Schlafens aktiv lernen kannst? Während die Verbesserung deiner Schlafqualität der größte Beitrag zum Lernen ist, gibt es auch ein paar Tricks, die manchmal sogar Wirkung zeigen. Insbesondere wenn du eine neue Sprache lernen möchtest und die Vokabeln einfach nicht sitzen, kannst du folgendes ausprobieren:

  1. Nutze Audioversionen zum Einschlafen. Es gibt entweder fertige Dateien, die du online erwerben kannst, oder du sprichst dir selber Texte zum Lernen auf. Beim Erlernen einer Sprache hilft manchmal auch ein Hörbuch zum Beispiel auf Englisch. Wichtig ist dabei, dass du die Vokabeln, die Lerntexte oder auch das Buch nur beim Einschlafen verwendest. Ansonsten störst du die Tiefschlafphasen. 
  2. Du verbindest mehr Eindrücke mit Gerüchen, als du denkst. Und genau das kannst du dir zunutze machen, wenn du zum Beispiel eine Sprache lernen willst. Verwende beim Lernen einen Geruch (möglichst einen Duft!), den du beim Schlafen ebenfalls in deinem Zimmer verteilst. Klingt verrückt – ist aber einen Versuch wert. 

Hinweis: Unsere Artikel richten sich an alle Geschlechter. Für eine leichtere Lesbarkeit verwenden wir jedoch das generische Maskulinum. Deine stellenwerk-Redaktion.


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Über die Autorin: Sofia Nelles ist waschechte Digital Native und Masterstudentin an der HAW Hamburg. Sie ist begeistert von fertigen To-Do-Listen, gutem Wetter in Hamburg und Out-of-the-Box Ideen.